Corporate Volunteering – Interessant für das Recruiting?

Ehrenämter sind etwas, was man sich gerne und mit Stolz in seinen Lebenslauf schreibt. Warum eigentlich? Weil es zeigt, dass man sich engagiert, dass man sich kümmert, dass man teamfähig ist und vieles mehr. In letzter Zeit schreiben sich auch immer mehr Unternehmen soziales Engagement in den „Lebenslauf“. Dieser Trend nennt sich Corporate Volunteering. Es ist natürlich ein Trend, der den Unternehmen eine positive Außenwirkung ermöglicht und der daher auch die Frage aufwirft: Ist dies auch ein Trend, dem man sich im Recruiting zu Nutze machen könnte?

Doch zunächst: Was ist Corporate Volunteering?

Definitorisch versteht man unter Corporate Volunteering die Förderung des sozialen Engagements der Beschäftigten und den ehrenamtlichen Einsatz der Human Resources eines Unternehmens. Der Einsatz der Mitarbeiter für den guten Zweck wird dabei von Unternehmen mitgetragen bzw. aktiv unterstützt. Corporate Volunteering weist keine einheitliche Erscheinungsform auf, sondern setzt sich vielmehr aus einer Vielzahl an Möglichkeiten zusammen. Die Maßnahmen unterscheiden sich hierbei meist nach Dauer des Einsatzes, Anzahl der beteiligten Beschäftigten sowie dem Ziel der Aktion.
Wie weit die Bandbreite an Corporate Volunteering Projekten ist, zeigen die folgenden drei Beispiele:

  • The Home Depot, die größte Baumarktkette der USA, stellt seit mehreren Jahren regelmäßig Mitarbeiter frei. Der Sinn dabei ist, dass diese gemeinnützige vorwiegend handwerkliche Aufgaben übernehmen können und versorgt sie dafür zudem mit Baumaterial. Das Unternehmen hat auf diese Weise schon über eine Millionen Arbeitsstunden an gemeinnützige Organisationen gespendet.
  • DaimlerChrysler hat das einwöchige Sozialpraktikum „Seitenwechsel“ für Führungskräfte im Unternehmen etabliert. Bei diesem Programm engagieren sich Führungskräfte eine Woche lang in einer von ihnen gewählten Einrichtung wie beispielsweise einer Behindertenbetreuung, einem Hospiz oder einer Sucht- und Drogenhilfe.
  • IBM stellt bereits seit 2003 seinen Angestellten eine Intranetplattform mit über 140 Tools zur Verfügung, mit der sie gemeinnützige Projekte technisch unterstützen können. Das Volunteering-Programm läuft hierbei „on demand“, also auf Abruf. IBM will auf diesem Weg die Initiative seiner Mitarbeiter, sich mit ihrem Fachwissen gesellschaftlich zu engagieren fördern.

Alle drei Beispiele zeigen aber auch einen weiteren Aspekt des Corporate Volunteering auf: Die Unternehmen profitieren in der einen oder anderen Weise von ihrem Einsatz. Die bezieht sich nicht ausschließlich die Werbewirksamkeit und der Imagegewinn solcher Aktionen. So sieht DaimlerChrysler beispielsweise seinen „Seitenwechsel“ auch als Personalentwicklungsprogramm mit dem Ziel, soziale Kompetenzen wie Kommunikations- und Konfliktfähigkeit der Führungskräfte zu verbessern. Das wirft natürlich wiederum unsere Ausgangsfrage auf:

Was bewegt Unternehmen eigentlich zu Corporate Volunteering und könnte man es sich evtl. im Recruiting zu Nutze machen?

Mit den Motiven hinter dem Corporate Volunteering setzt sich auch die Studie „Corporate Volunteering in Deutschland“ von AmCham Germany und Roland Berger Strategy Consultants auseinander. Die folgende Abbildung zeigt die Motive für Corporate Volunteering in deutschen Unternehmen.

Corporate Volunteering: Motive für #ehrenamtliches Mitarbeiterengagement

Auffällig ist, dass sich unter den zehn wichtigsten Motiven gleich vier Motive (rot hervorgehoben) finden, die im direkten Zusammenhang mit dem Recruitingerfolg eines Unternehmen stehen:

  • Das Betriebsklima und die Unternehmenskultur
  • Das Image und die Öffentlichkeitswirksamkeit des Unternehmens
  • Die Attraktivität des Arbeitgebers
  • Die Mitarbeiterbindung

Werden diese Punkte tatsächlich durch das soziale Engagement des Unternehmens gefördert, kann Corporate Volunteering durchaus einen positiven Effekt auf das Recruiting haben. Dass man Corporate Volunteering durchaus auch als Chance für einen frühzeitigen Beziehungsaufbau zu zukünftigen Talenten nutzen kann, zeigt eine weitere Erkenntnis aus der „Corporate Volunteering in Deutschland“-Studie. Die Themenschwerpunkten und Zielgruppen des ehrenamtlichen Einsatzes stellt nachfolgende Abbildung dar:

Themenfeld und Hauptzielgruppe Corporate Volunteering

Die Hauptzielgruppe der Unternehmen bei ihrem sozialen Einsatz sind „Kinder und Jugendliche“, welche zu einem späteren Zeitpunkt als potenzielle Talente auf dem Arbeitsmarkt treten. Dies ist für das Recruiting vor allem interessant, da knapp 50% der Corporate Volunteering Projekte lokale Projekte sind. Corporate Volunteering bietet dem Unternehmen somit schon früh die Möglichkeit, den Talenten von Morgen einen Eindruck von der Kultur und den Werten des eigenen Unternehmens zu vermitteln. Hier ist zu betonen, dass ein Corporate Volunteering Projekt keine Werbeveranstaltung ist und auch keine Anwerbungsbörse. Jedoch könnte es durchaus dazu dienen, einen ersten Eindruck vom Unternehmen zu vermitteln.

So geben beispielsweise Mitarbeiter der Deutschen Bank ehrenamtlich an Schulen Unterricht zum Thema Finanzwissen. Damit kann so vielleicht frühzeitig eine Faszination für dieses Themengebiet bei den Schülern geweckt werden und das Unternehmen kann sich bei den Talenten von morgen bereits einen Namen machen.

Abschließend lässt sich sagen: Natürlich sollte die Aussicht auf bessere Recruiting-Erfolge nicht die Antriebsfeder hinter Corporate Volunteering sein, es sollte vielmehr als ein positiver Nebeneffekt des sozialen Einsatz der Mitarbeiter des Unternehmens gesehen werden.