Demographischer Wandel als Chance für Unternehmen?

In vielen Blogartikeln (auch in unserem Talent Blog), wird aus dem demograpischen Wandel das Problem des Fachkräftemangels abgeleitet. Das revidiere ich nicht, möchte in diesem Beitrag aber auch einmal die positiven Aspekte, die mit dem Wandel einhergehen, betrachten. Auf die Idee hat mich ein Plakat auf dem Weg zur U-Bahn mit folgender Aufschrift gebracht: „Der Die demographische Wandel Chance“. Chance für wen? Mit Sicherheit für uns alle, da wir älter werden und kostbare Lebenszeit gewinnen. Gibt es aber auch Vorteile für Unternehmen? Nach einer Recherche kann ich insbesondere zwei Chancen festmachen.

Bereicherung durch Zuwanderung

Deutschland wird für Ausländer attraktiver, da es viel Arbeit gibt. Daher sind die Einwanderungszahlen in den vergangenen Jahren stetig angestiegen. Nach dem aktuellen Migrationsbericht sind 2012 1,08 Mio. Personen eingewandert. Darunter 16% insbesondere wegen einer Ausbildung oder einem Studium, 13% wegen den guten Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt. Besonders interessant für Unternehmen sind dabei die hochqualifizierten Fachkräfte. Von 2009 bis 2012 ist die Zuwanderung hier um knapp 70% gestiegen. Unter den erwachsenen Zuwanderern haben 29% bereits einen akdemischen Abschluss. Der heimische Arbeitsmarkt profitiert also von der aktuellen Öffnung der Grenzen. (Zum Beispiel seit Anfang des Jahres zu Bulgarien und Rumänien) Zum einen wird der Fachkräftemangel reduziert, zum anderen werden Teams aber auch internationaler. In der Globalisierung ist diese Entwicklung zu begrüßen, denn für innovative Ideen mit globaler Ausrichtung bedeutet das eine wichtige Bereicherung.

Kompetenz der älteren Generation

Deutschland wird älter. Viele sehen darin das Risiko von Innovationsverlust und abfallender Produktivität. Dabei hängen Alter und Produktivität nicht zwangsläufig zusammen. Ältere Menschen haben mehr Erfahrung und arbeiten im Allgemeinen genauer und mit höherer Qualität. Die Sozialkompetenz ist größer und sie können die eigenen Grenzen besser Einschätzen als junge Mitarbeiter.
Einige wollen im Alter nicht mehr arbeiten, ein größerer Teil möchte jedoch aktiv sein, sich weiterbilden und eben auch erwerbstätig bleiben. Der Höhepunkt der Karriere ist selbstverständlich überschritten. Die körperlichen Belastungsgrenzen sind gesunken, sodass sich viele eine Teilzeitarbeit wünschen. Die Produktivität ist bei geringerer Arbeitszeit aber insgesamt vergleichbar mit jüngeren Kollegen.

Den Wandel mitgestalten

Was 2030 passiert, wenn alles so bleibt wie es ist, zeigt ein interaktives Tool vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln:

Demographischer Wandel als Chance

Fachkräftemangel 2030 bei unveränderten Bedingungen

Die Zahlen können verändert und die Auswirkungen beobachtet werden. Wird das gesetzliche Rentenalter zum Beispiel von 67 auf 69 erhöht und die Nettozuwanderung von Fachkräften verdreifacht, gäbe es keinen Fachkräftemangel im Jahr 2030.
Neben der Anpassung des Rentenalters an die Lebenserwartung und der Öffnung des Arbeitsmarktes für Ausländer, sollte der Staat zusätzliche Maßnahmen ergreifen. Diese wären beispielsweise die Ermöglichung von Teilrenten für einen langsamen Übergang in den Ruhestand oder die Vermeidung von Anreizen für eine Frührente.

Auf der anderen Seite stehen die Unternehmen: Hier gilt es flexiblere Arbeitszeiten, Teilzeitangebote und altersgerechte Stellen, mit wenig körperlicher Belastung, zu schaffen und Umschulungen anzubieten. Um auch im Alter fit zu bleiben, ist das lebenslanges Lernen eine Grundvoraussetzung. Unternehmen können durch Weiter- und Fortbildungsmaßnahmen gezielt in diesen Prozess eingreifen. Zudem ist die Gesundheitsförderung ein wichtiger Aspekt, um auch im Alter arbeiten zu können. Hier gilt es auch von staatlicher Seite Anreize zu schaffen.

Eine wichtige Zielgruppe von älteren Arbeitnehmern sind neben aktuellen Mitarbeitern auch Corporate Alumni. Warum sollte jemandem, der bereits Erfahrung im Unternehmen gesammelt hat, nicht vor der Rente noch ein Angebot für eine attraktive Teilzeitstelle gemacht werden?

Bezüglich ausländischer Fachkräfte sollten zunehmend Sprachkurse und weitere Integrationsmaßnahmen gestartet werden, um die Integration in das Unternehmen und letztendlich in das Leben in Deutschland zu vereinfachen.

Fazit

Ich hoffe, ich konnte die Chancen des so negativ belasteten Wortes „demographischer Wandel“ deutlich machen. Betrachtet man mit einem kurzen Blick die zahlreichen Studien zu den Auswirkungen des Fachkräftemangels, lässt sich jedoch feststellen, dass unterm Strich dennoch die Risiken den Chancen überwiegen. Der Wandel ist jedoch kaum noch abzuwenden und Unternehmen sollten sich darauf konzentrieren, die Chancen zu nutzen und rechtzeitig Maßnahmen zu einzuleiten.