Der digitale Fußabdruck: Sind Digital Natives eine Gefahr für Unternehmen?

Ein Fußabdruck ist wie ein Fingerabdruck: individuell, einmalig und entlarvend. Der Mensch hinterlässt heute aber nicht mehr nur seinen natürlichen Fußabdruck. Jeder Mensch, der das Internet nutzt, hinterlässt seine Spur. Es ist kein Geheimnis mehr, welche Webseiten ein Internetnutzer besucht oder was bei Amazon im Einkaufswagen landet.

Mit der regen Nutzung von Social Media-Angeboten hat sich der digitale Fußabdruck jedes Einzelnen noch vergrößert. Gerade für Unternehmen bietet das oft Anlass zur Besorgnis: Wissen die Mitarbeiter, was sie im Internet alles von sich preisgeben? Dabei stehen vor allem Digital Natives im Fokus der Bedenken, da diese Generation bekanntlich das Web am intensivsten nutzt. Aber Digital Natives sind vielen älteren Mitarbeitern einen Schritt voraus: Sie verfolgen ihre Spuren im Web selbst durch das sogenannte Ego-Googlen.

Ego-Googlen bedeutet, dass man nach sich selbst im Internet sucht. Haben 2008 lediglich 34% sich selbst gegooglet, so tun es inzwischen mehr als doppelt so viele (69%). Der Gedanke dahinter ist offensichtlich: Was für Informationen finden andere über mich? Will ich, dass sie das über mich finden? Noch lieber als sich selbst googlen die Internetnutzer andere Personen: Bekannte, Freunde und Kollegen. Solche Suchaktionen sind oft ergiebig, vor allem seit der selbstverständlichen Nutzung des Internets und der Sozialen Netzwerke durch die Digital Natives. 96% der jungen Internetnutzer sind Mitglied in einem sozialen Netzwerk. Diese Generation postet, taggt und twittert, was das Zeug hält. „Ist ja alles privat“, denken viele – aber das ist es leider nicht mehr. Nicht wenige geben bei Facebook und Co. ihren Arbeitgeber an und werden damit (ganz ungewollt) zu Markenbotschaftern. Und jeder weiß: Das Internet vergisst nie!

Sind die Digital Natives damit eine „Gefahr“ für das Unternehmen, in dem sie arbeiten?

Nein, im Gegenteil: Sie sind eine Chance. Die Digital Natives sind nicht nur die aktivste Gruppe im Web 2.0, sondern auch eine Gruppe, die sich ihres digitalen Fußabdruckes sehr bewusst ist. So ist es das Kollektiv der 18- bis 29-Jährigen, das das Ego-Googlen am Exzessivsten betreibt. In dieser Altersgruppe haben sich 84% schon einmal selbst gegooglet und jeder Fünfte checkt seine Präsenz im Internet regelmäßig. Dieses Verhalten erklärt sich nicht (wie man unterstellen könnte) aus übertriebener Eitelkeit, sondern vielmehr aus dem Wissen der eigenen Transparenz und damit auch der eigenen Verletzlichkeit im Social Web.

Nimmt man im Vergleich dazu die Gruppe der über 50-Jährigen, so fällt auf, dass sich in dieser Gruppe lediglich 20% schon einmal selbst gegooglet haben. Das sind mehr als die Hälfte weniger als bei den Digital Natives. Betrachtet man dies im Hinblick auf eine Studie der Fraunhofer Gesellschaft (s. Abb.), so ist es die Altersgruppe der über 50 Jährigen, die in den nächsten Jahren den Ton in deutschen Unternehmen angeben wird. Genau diese Erkenntnis ist der Grund dafür, dass Unternehmen von den jungen Mitarbeitern, die im Social Media-Dschungel aufgewachsen sind, erheblich profitieren können.

 Wie können ältere Mitarbeiter von den Digital Natives profitieren?

Es heißt „mit dem Alter kommt die Weisheit“. Doch in diesem Fall dreht sich der Spieß um. Nicht die Jungen müssen von den Alten lernen, sondern die Alten von den Jungen. Die Jungen haben mehr Erfahrung und Wissen zum Umgang mit dem Internet und vor allem mit Social Media. Denn seien wir mal ehrlich: Die älteren Semester sind nicht die Weltmeister im posten, taggen und twittern. Aber sie müssen es werden, um international wettbewerbsfähig zu bleiben. Beim Wissenstransfer von jung auf alt spielen folgende Punkte eine zentrale Rolle:

  • Neue Art der Kommunikation und Kommunikationsmittel: Die Social Media-Angebote bieten sowohl unternehmensintern als auch -extern eine neue Art der Kommunikation, welche von der „Generation E-Mail“ erst mal erlernt und adaptiert werden muss. Die Jungen können dabei hilfreich unter die Arme greifen und ihren Enthusiasmus und ihr Bewusstsein für diese Medien vermitteln.
  • Zielgruppenfokussierung und -gewinnung: Unternehmen sollten auf Teams mit gemischter Altersstruktur setzen, denn davon profitieren beide Seiten. Es stellt sicher, dass die Mitarbeiter am Puls der Zeit bleiben und jede Zielgruppe angemessene Berücksichtigung findet.
  • Richtiger Umgang: Die jungen Mitarbeiter vermitteln den Älteren den habitualisierten Umgang mit Social Media und ihr Bewusstseins für den digitalen Fußabdruck, das Unternehmen wird so vor unternehmensschädlichen Äußerungen und Handlungen der Älteren bewahrt. Solche Äußerungen bzw. Handlungen müssen auf den ersten Blick gar nicht bedenklich erscheinen, werden aber von der Web 2.0-Generation anders wahrgenommen.

Schlussendlich lässt sich sagen, dass kein Unternehmen es sich leisten kann, Social Media keine Beachtung zu schenken. Die Welt dreht sich weiter, auch wenn der Einzelne sich nicht bewegt – und gerade die digitale Welt dreht sich schnell. Es lohnt sich für Unternehmen, wenn die jungen, digitalen Ureinwohner des Social Media-Dschungels als Fremdenführer den älteren Touristen unter die Arme greifen.