Eine Talent Community ist kein zweites Facebook

Viele Personaler und Recruiter setzen ein gedankliches Gleichheitszeichen zwischen eine Talent Community und Facebook – das ist mir beim DGFP Personalkongress am 07. und 08. Mai in Frankfurt am Main aufgefallen. Nach dem Vortrag von IntraWorlds-Geschäftsführer Stephan Herrlich zur Talent Community von Accenture kam im Publikum die Frage zu den im Vortrag genannten Nutzungszahlen auf, die auf den ersten Blick relativ niedrig klingen. Glücklicherweise liegt das Problem dabei im falschen Verständnis der Talent Community, weshalb ich hier einmal Aufklärungsarbeit leisten möchte.

Was kann eine Talent Community?

Setzt ein Unternehmen eine Talent Community ein, möchte es sich dadurch dauerhaft mit interessanten Talenten und potentiellen Bewerbern vernetzen. Dieses sogenannte Talent Relationship Management ist ein bereits aus dem CRM bekanntes, aber auf die Personalbranche adaptiertes Konzept. Der persönliche Beziehungsaufbau zwischen Talent und einem Recruiter aus dem Unternehmen ist ein wichtiger Differenzierungsfaktor zur Konkurrenz. Mögliche Quellen für solche Talente sind zum Beispiel Karrieremessen, Bewerbungen, (ehemalige) Praktikanten, (ehemalige) Azubis und Social Media. Lernt ein Recruiter also auf einer Karrieremesse einen potenziellen Bewerber kennen, kann er ihn in die unternehmenseigene und exklusive Talent Community einladen, um bis zum möglichen Rekrutierungszeitpunkt mit ihm in Kontakt zu bleiben.

Eine gute Talent Communitybietet die Funktionalität der Unterscheidung verschiedener Talent Pools. Dadurch können Praktikanten und Master-Absolventen jeweils zielgruppenspezifisch informiert werden. Weiterer wichtiger Bestandteil ist  das Profil des Talents in der Community: Das Unternehmen kann festlegen, welche Fakten es im Profil abfragen will.

Per Klick vergrößern! Der Aufbau von Talent Pools in einer Talent Community

Die Talente updaten ihr persönliches Profil selbst und stellen dem Unternehmen dadurch detaillierte und aktuelle Informationen über sich bereit. Ebenfalls im typischen Funktionsumfang einer Talent Community finden sich bekannte Social Media-Funktionen, wie beispielsweise das Einstellen von News, Bildergalerien, Videos und die Planung von Events. Insgesamt bietet eine Talent Community also in etwa ähnliche Funktionen wie Facebook & Co., weshalb häufig die falsche gedankliche Gleichstellung beider Angebote stattfindet.

Wo liegt der Unterschied zwischen Talent Community und Facebook?

Es gibt zwei wesentliche Unterschiede beider Social Media-Plattformen: die Nutzungsart und die Nutzungsintensität. Facebook wird von einem Großteil der User hauptsächlich privat genutzt, für Unternehmen ist das eine große Hürde. Ein Fan der Unternehmensseite auf Facebook stellt in seinem Profil Informationen rund um Beziehungsstatus, Hobbies und Interessen zur Verfügung, aber keine bewerbungsrelevanten Fakten wie einen Lebenslauf oder Qualifikationen. Die Identifizierung von Talenten und der dauerhafte Erhalt des Kontakts wird in Facebook dadurch sehr schwer fallen, wenn nicht sogar unmöglich sein. Somit ist Facebook als für jeden zugängliches Social Network durchaus nützlich für das Personalmarketing und Employer Branding, aber nicht für den weiterführenden Schritt des Talent Relationship Managements und der letztendlichen Rekrutierung.

Eine Talent Community ist ein Angebot, dass von den Bewerbern sofort als beruflicher Social Media-Kanal wahrgenommen wird. Die Talent Relationship Management-Studie von IntraWorlds belegte bereits 2010, dass sich Talente wesentlich lieber mit Unternehmen über eine exklusive Talent Community als via Facebook vernetzen wollen. Durch den langfristigen Aufbau von Talent Pools in der Community zahlen sich zum einen Kampagneninvestitionen besser aus, zum anderen ist der Talent Pool vor dem Einblick durch konkurrierende Unternehmen geschützt.

Den wichtigen Unterschied der Nutzungsintensität habe ich mir bis zuletzt aufgehoben. Facebook wird täglich genutzt, die meisten User verbringen ca. 5 Stunden täglich dort. Accenture hat für seine mit IntraWorlds aufgesetzte Talent Community in den letzten 8 Monaten pro User schon mehrere Logins verzeichnet und ist damit sehr zufrieden. Auf den ersten Blick hört sich das nach sehr wenig im Vergleich zu Facebook an. Aber der berufliche Status ändert sich nicht sehr oft innerhalb weniger Wochen oder Monate. Wenn Sie jetzt noch 2 Semester studieren müssten, ändert sich ihr beruflicher Status erst in einem Jahr. Daher sind geringe Loginhäufigkeiten ein sehr guter Wert für eine Talent Community, der ein hohes Interesse der Talente an dem Angeboten des Unternehmens zeigt. Kein Bewerber wird sich täglich in eine Talent Community einloggen, wenn er noch mehrere Monate Zeit bis zur Rekrutierung oder Bewerbung hat. Das senkt natürlich gleichzeitig auch den Betreuungsaufwand der Community – es muss nicht jeden Tag ein neuer Artikel oder ein neues Video gepostet werden.