Ein klassischer Win-Win-Effekt: Der Aufbau von Unternehmens-Communities für ehemalige Mitarbeiter

Aus der Sicht vieler ehemaliger Mitarbeiter ist es oft schade, dass das Ausscheiden aus „ihrer“ Firma den Verlust eines über viele Jahre gewachsenen sozialen Umfelds bedeutet. Von einem Tag auf den anderen ist man nicht mehr „drin“, sondern „raus“. Besonders für die vielen junggebliebenen oder frühen Rentner kommt dabei ein Gefühl des Verlustes auf. So mancher stellt nach einer gewissen Zeit der wohlverdienten Erholung fest, dass er gerne wieder ein bisschen näher dran wäre – mindestens im gleichen Maße, wie er als Beschäftigter den Abstand zu seiner Arbeit gerne etwas vergrößert hätte.

Neben den sozialen Verlust tritt dabei regelmäßig das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden und nicht mehr mitzubekommen, was in der einst wohlvertrauten Branche so läuft. Wie schön wäre es, hier und da nochmal um Rat gefragt oder gar um Projektmitarbeit gebeten zu werden, ohne gleichzeitig dem beruflichen Stress der Vergangenheit ausgesetzt zu sein. Und als Nebeneffekt ergäbe sich für den ein oder anderen Rentenbezieher ja vielleicht sogar eine Möglichkeit des Zuverdienstes.

Im Web 2.0-Zeitalter bietet es sich für viele Unternehmen an, diese firmenfreundliche Gesinnung vieler ehemaliger Mitarbeiter (= Corporate Alumni) als wertvolle Ressource zu begreifen und zu erschließen. Denn wo der Aufbau von Informations- und Kommunikations-Schnittstellen zu dieser Personengruppe in der Vergangenheit noch zu aufwändig war, um sich betriebswirtschaftlich zu rechnen, kann das Internet heute helfen: Aufbau und Betreuung einer Corporate Alumni-Community sind heute sehr effizient und mit überschaubarem Kostenaufwand möglich.

Damit im Wirtschaftsleben ein Schuh daraus wird, braucht es natürlich auch auf Unternehmensseite einen Win-Effekt, der für viele Firmen leicht auszumachen ist: Ehemalige sind Wissensträger, die auch nach ihrem Ausscheiden wichtige Botschafter ihrer Firma bleiben und als solche unabhängig und damit glaubhaft über sie berichten. Zudem kommen sie als Projektmitarbeiter in Frage, z.B. in Zeiten besonderer Arbeitsbelastung, oder können für den Vertrieb als Kontaktvermittler oder Kunden von Bedeutung sein. Und last but not least: Auch unter sozialen Aspekten ist eine lebendige Alumni-Kultur eine Bereicherung für jede Firma.

Der Aufbau einer Corporate Alumni-Community, zu der auch die gegenwärtigen Mitarbeiter Zugang haben sollten, kann also für viele Firmen und ihre ehemaligen Mitarbeiter eine nachhaltige Win-Win-Situation schaffen. Die dabei entstehende Kultur verbindet wirkungsvoll soziale mit wirtschaftlichen Aspekten und erschließt in der Vergangenheit ungenutztes Gemeinschaftspotenzial – das in Zukunft noch deutlich größer werden wird: Denn die demographische Entwicklung unserer Gesellschaft bei gleichzeitig steigender Lebenserwartung und medizinischem Fortschritt führen dazu, dass immer mehr Menschen, die noch leistungswillig und –fähig sind, für einen immer längeren Zeitraum Alumni sind und nicht mehr am regulären Erwerbsleben teilnehmen.

Im Jahre 2011 hat ein allgemeiner Trend zum Community-unterstützten Aufbau von Corporate Alumni-Netzwerken bereits begonnen – erste Projekte und Ausschreibungen auch global tätiger Firmen belegen dies. Es handelt sich um einen Trend, der sich langfristig fortsetzen dürfte.