OMG – Sind wir elitär? Eine Diskussion zu geschlossenen Netzwerken

Neulich habe ich den Blogartikel „Neuer Trend: Geschlossene Netzwerke im offenen Web“ von Andreas Weck gelesen. Bei der Überschrift dachte ich noch: „Hey, das ist unser Produkt, genau das bietet IntraWorlds seit Jahren an“. Als ich den Artikel durchgelesen hatte, musste ich erstmal schlucken. Da fielen so Schlagwörter wie: „elitäre Kreise“, “Der Mob hat hier nichts zu suchen“ oder „Zweiklassen-Netz“.

Da drängte sich mir natürlich eine Frage auf: Sind unsere exklusiven Talent Communities ein Rückschritt in die mittelalterliche Ständegesellschaft?

Dafür musste ich nochmal reflektieren, mit welchem Trend sich Herr Weck in seinem Artikel derart kritisch auseinandersetzte. Sein Ausgangspunkt war, dass immer mehr Nutzer vor dem Information-Overflow und dem inhaltlichen Qualitätsverlust ihrer Facebook Startseite in  kleine, exklusive Netzwerke „fliehen“. Exklusivität und Intimität wären das neue Must-Have im Social Web. Die aufgeführten Beispiele für diese berufenen Netzwerke waren Path und Quote.Fm. Beide sind Gegenentwürfe für die komplette Funktionsbreite bzw. für Teilfunktionen des Marktführers Facebook.

Diese Netzwerke haben jedoch keineswegs den Charakter eines elitären Geheimbundes in den man nur mit einem streng geheimen Aufnahmeritual beitreten kann, im Gegenteil, man kann sich bei beiden Anbietern einfach und unkompliziert anmelden. Den einzigen exklusiven Touch, den diese Netzwerke besitzen, ist, dass die große Facebook-Mainstream-Masse noch nicht da ist. Nicht weil sie nicht könnte, sondern weil sie nicht will.

So viel zur Exklusivität, doch was ist mit der Intimität? Seien wir mal ehrlich: Die kann man  sich auch bei Facebook schaffen, indem man halt nicht 500 „Freunde“ addet und auch seine Inhalte z.B. nur mit engen Freunden teilt. Somit steht vielmehr der Umgang der User mit Facebook, als Facebook selbst in der Kritik.

Doch was ist nun mit unseren tatsächlich exklusiven Netzwerken?

Accenture Talent Community

Dafür muss man sich anschauen, wofür unsere Kunden ihre Talent Communities nutzen. Diese Plattformen dienen vor allem der Bindung von Talenten, wie z.B. ehemalige Praktikanten oder Berufserfahrene, an das Unternehmen, sowie der Kommunikation zwischen Unternehmen und Talent. Die Communities sind also in keinster Weise für die Wünsche der breiten Masse konzipiert (wie beispielsweise Facebook). Es ist gar so, dass die Plattform nur für eine kleine Gruppe mit einem speziellen Interesse attraktiv ist.

Trotzdem muss man die Kritik zulassen, dass unsere Netzwerke oft nicht jedem zugänglich sind. Doch das hat weniger mit überheblicher Affektiertheit als vielmehr mit dem Schutz von unternehmensinternen Inhalten zu tun. Jedoch ist es  gerade dieses unter Verschluss halten von Inhalten, welches Herr Weck mit folgenden Worten kritisiert: „Was viele vielleicht aber ferner nicht sehen, ist, dass diese neuen elitären Kreise und geschlossenen Plattformen dafür sorgen, dass der freie Zugang zu Inhalten dadurch abrupt einer mehr oder weniger stattfindenden Zensur verkommt.

Doch ist dies tatsächlich der Fall?

Für unsere Plattformen dürfte man gar das Gegenteil behaupten. Unternehmensinterne Inhalte sind sehr wertvoll und werden und wurden dementsprechend nie (oder zumindest nicht freiwillig) der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Unsere Communities und die Unternehmen die sie nutzen, ermöglichen Externen nun jedoch genau dies. Somit bekommen die Nutzer die Möglichkeit einen Blick hinter die Kulissen eines Unternehmens zu werfen, ohne zuvor einen Anstellungsvertrag unterzeichnet zu haben.

Geschlossene Plattformen müssen sich also durchaus den  Vorwurf der elitären Kreise gefallen lassen, aber vermittelt uns nicht gerade die Zugehörigkeit zu Eliten das Gefühl, etwas besonders zu sein? Es ist nicht die Integration in eine Elite, die die meisten scheuen, es ist vielmehr die Furcht vor dem Vorwurf elitär, zu sein. Aber schließt das eine das andere zwangsweise mit ein?

Das Fazit sollte daher lauten: Elite ja, elitär nein.

Dieser Beitrag wurde verfasst von Dr. Florian Habermann