Onboarding – Der Sprung ins warme Wasser

Schadenfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude und gerade im Berufsleben begegnen wir ihr immer wieder. Ist der neue Kollege doch gerade in das Fettnäpfchen getreten in das man selbst vor ein paar Jahren spaziert ist. Neue Arbeitsstellen sind in dieser Hinsicht tückisch, denn Unternehmen sind wie Länder: Jedes Unternehmen hat seine eigenen Gesetze, seine eigene Sprache, seine eigene Kultur und seine (nicht immer hilfreichen) Einheimischen. Das Antreten einer neuen Arbeitsstelle entspricht also geradezu dem anstrengenden Akt einer Auswanderung.

Und wenn uns die zahlreichen Auswanderungsshows im Fernsehen eins gelehrt haben, dann ist es das:  Diese „Auswanderer“ sitzen oft nach ein paar Monaten wieder konsterniert Zuhause. Damit dieses sehr teure Phänomen nicht auch in Unternehmen auftritt, bemühen sich immer mehr von ihnen um ein erfolgreiches Onboarding.

Wieso ist Onboarding sinnvoll?

Onboarding - Der Sprung ins warme Wasser

Onboarding beginnt, sobald der Arbeitnehmer seinen Arbeitsvertrag unterzeichnet hat. Ab diesem Zeitpunkt kümmert sich das Unternehmen um die neuen Mitarbeiter und wirft sie nicht einfach ins kalte Wasser in der Hoffnung, dass sie schwimmen. Natürlich kann man das Argument anbringen, ins „kalte Wasser werfen“ habe den Effekt, dass Kandidaten gefordert werden und sie über sich hinauswachsen. Diese Strategie hat mit Sicherheit ihre Berechtigung (beispielsweise bei Projekten), jedoch ist sie beim Jobeinstieg zweifelhaft. Der Neuling hier hat noch nicht seine Position im Unternehmen gefunden und ist daher i.d.R. verunsichert und erkennt den Schubs in kalte Wasser nicht als Chance (als der er evtl. gedacht ist). Vielmehr wird dies als ein Zeichen des „Nicht-Willkommen-Seins“ gewertet. Die Onboarding-Strategien unterscheiden sich jedoch von Unternehmen zu Unternehmen und variieren auch je nach Zielgruppe.

Beispiele erfolgreicher Onboarding-Maßnahmen

  • So bietet beispielsweise das deutsche Traditionsunternehmen Thyssen Krupp Onboarding Seminare für seine frisch gebackenen Trainees an. In diesem Seminar gewinnen die Trainees, in drei Tagen, einen ersten Eindruck von Thyssen Krupp. Zudem lernen sie ihre zukünftigen Mitstreiter im Traineeprogramm näher kennen. Solche Maßnahmen helfen zum einem, dass sich die neuen Mitarbeiter schneller und leichter im fremden Unternehmen zurechtfinden und zum anderem wird ihnen ein Wir-Gefühl vermittelt.
  • Beim amerikanischen Automobilhersteller Ford dürfen sich neue Führungskräfte im „Beschatten“ üben. Sie begleiten beispielsweise andere Führungskräfte in Meetings und können so in der Praxis sehen, wie im Konzern Besprechungen oder Verhandlungen ablaufen.
  • Neue Manager bei Coca Cola finden wiederum an ihrem ersten Arbeitstag einen prall gefüllten Kalender mit zahlreichen Kennenlern-Treffen vor. Der weltweit größte Softdrinkhersteller will so vermeiden, dass sich neue Manager ausschließlich auf die fachliche Komponente ihrer Stelle konzentrieren. Es soll verhindert werden, die so wichtigen und bindenden sozialen Kontakte außen vor zu lassen.

Verbesserungspotential in Unternehmen

Trotz dieser positiven Beispiele wird von vielen Unternehmen die Möglichkeit schon in der Zeit zwischen der Vertragsunterzeichnung und dem ersten Arbeitstag eine stärkere Bindung aufzubauen, vollkommen außer Acht gelassen. In der Regel konzentrieren sich derzeitige Onboarding-Maßnahmen vielmehr auf den  ersten Arbeitstag und den Zeitraum danach. Die Unternehmen verschenken dadurch sehr viel  Bindungspotenzial und riskieren, dass ihnen neue Mitarbeiter in dieser Zeitspanne noch abspringen. Ein Problem ist, dass sich viele Betriebe schwer tun sich Frühbindungs-Maßnahmen vorzustellen. Dabei sind es oft die kleinen Gesten, die ausschlaggebend sind. Den neuen Mitarbeiter beispielsweise zu Teamveranstaltungen einzuladen oder ihm bereits die Betriebszeitung zukommen zu lassen (obwohl er noch nicht angefangen hat). Entscheidend ist zudem, dass das Team bereits im Voraus auf „den Neuen“ eingestimmt wird. Damit wird vermieden, dass er am ersten Tag wie bestellt und nicht abgeholt dasteht.

Denn die zentralen Ziele des Onboardings sind, dass sich die Mitarbeiter in dem Unternehmen wohl fühlen und sich rasch zurecht finden. Ein erfolgreicher Onboarding-Prozess bewirkt also ein gutes Betriebsklima. Es ist ein Aushängeschild für das Unternehmen, es sorgt sowohl für eine erhöhte Mitarbeiterbindung, als auch für eine bessere Mitarbeitergewinnung. Dies wiederum senkt die Kosten des Unternehmens. Unternehmen profitieren somit auf voller Linie von einem gut umgesetzten Onboarding. Darüber hinaus ersparen sie damit ihren Mitarbeitern den so unangenehmen Sprung ins kalte Wasser.

Onboarding ist somit eine Win-Win-Situation für beide Seiten!

 

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