Recruiting Videos für einen Einblick in die Unternehmenspraxis

Als Louis Lumiére 1895 einen der ersten Filme überhaupt – der auch den ersten Corporate Film darstellt – veröffentlichte, waren ihm die Ausmaße der zukünftigen Videonutzung im unternehmerischen Kontext wahrscheinlich noch nicht bewusst. Heutzutage werden pro Minute 100 Stunden Videomaterial auf YouTube hochgeladen. Bevor Sie diesen Artikel fertig gelesen haben, sind also schon Videos mit der Gesamtlänge von mehr als einer Woche neu hochgeladen worden – und das alleine auf YouTube. Wie auch schon Tim Wösthoff in seinem Blogartikel vom 10. April 2013 andeutete, eignen sich Videos auch besonders im Rahmen der HR-Kommunikation. Sie ermöglichen beispielsweise potentiellen Mitarbeitern eine ausgeschriebene Position durch die Augen Festangestellter zu sehen und so eine konkrete Vorstellung des Jobs zu erhalten. In diesem Blog-Artikel möchte ich Ihnen kurz die Vorteile aber auch Risiken von Recruiting Videos näherbringen und diese anhand von Beispielen verdeutlichen.

Vorteile

Durch die Vermittlung von Inhalten per Videos können tiefgehende Einblicke in das Unternehmen und dessen Kultur gegeben werden. Die Kombination aus visuellen und auditiven Elementen ermöglicht es, komplexe Sachverhalte in kurzer Zeit verständlich zu erklären. Auch die einfache Verbreitung und die Möglichkeit, Online Videos zu teilen, sind ein wichtiger Aspekt. Nach dem Hochladen des Videos, auf beispielsweise YouTube, ermöglicht die Einbettungsfunktion die Verbreitung auf Blogs und Websites und damit auch die Generierung einer größeren Reichweite. Außerdem ist die Kontaktqualität bei Corporate Videos sehr hoch, da die Konsumenten von diesen in vielen Fällen fast ausschließlich aus der Zielgruppe bestehen.

Risiken

Das größte Risiko bei der Kommunikation mittels Videos ist der Verlust der Authentizität. Wirkt bzw. ist das Ganze inszeniert und auswendig gelernt, kann diese schnell verloren sein und dies das Video lächerlich beziehungsweise nicht überzeugend machen. Es gilt der Zielgruppe einen Mehrwert zu bieten, der diese zum Rezipieren der Videoinhalte bewegt. Wird in diesem Punkt jedoch der unterhaltende Aspekt zu stark gewichtet, verbreitet sich das Video zwar möglicherweise schneller, erreicht jedoch nicht die gewünschte Informationsvermittlung.
Ein weiteres Risiko bei Recruiting Videos ist, dass diese – einmal in die Weiten des Internets hochgeladen – nicht mehr überall hin zu verfolgen sind. Das bedeutet, dass es viele Möglichkeiten gibt, Videos von YouTube herunterzuladen und auf neuen Seiten einzustellen. Man sollte also nicht außer Acht lassen, dass einmal hochgeladene Videos sich selbstständig machen können. Das kann für das Unternehmen sowohl positive als auch negative Auswirkungen haben.

Interview-Videos

Die meisten Recruiting Videos setzen auf ein Interviewformat. Dadurch kann ein Einblick in das Unternehmen und dessen Kultur über einen sehr persönlichen Zugang gegeben werden. Wirkt das Ganze jedoch zu aufgesetzt und vordefiniert, ist die Authentizität gefährdet. Ein gutes Beispiel für ein authentisches Video mit Praxiseinblick ist folgendes Video der Krones AG. Es werden unterschiedliche neue Auszubildende interviewt und über ihre Motivation, sich für die Krones AG zu entscheiden, befragt. Die Texte wirken (und sind vermutlich) ehrlich und nicht auswendig gelernt, was glaubhaft Beweggründe für einen Einstieg darlegen.

Recruiting-Raps/ Songs

Recruiting Videos

Ein weiteres Format der Recruiting Videos sind Musik Videos. In diesen rappen bzw. singen die Mitarbeiter des Unternehmens einen Song, der den Einstieg in besagtem Unternehmen näher bringen soll. In vielen Fällen sind diese Videos aber genau deswegen übertrieben und erreichen meist nur negatives Feedback. Es wird zu offensichtlich versucht, die junge Zielgruppe der Generation Y/Z zu adressieren. Dabei wird einfach vermutet, dass diese Zielgruppe insbesondere über Musik bzw. Unterhaltung und nicht über Inhalte (Interviews) erreicht werden kann. Eines der meistdiskutierten Beispiele dafür ist der Edeka Rap. Die meisten Reaktionen zu diesem Video sind negativ, was wahrscheinlich auf die unprofessionelle Gestaltung und fehlende Einblicke in die Arbeitspraxis bei Edeka zurückzuführen ist.
Ein anderes Beispiel, welches im Gegenteil dazu positives Feedback erhalten hat, ist der Imagefilm des Bäckerhandwerks. Dieses Video hat einen stark unterhaltenden Charakter und zeigt gleichzeitig Szenen aus dem Alltag eines Bäckers. Im Großen und Ganzen wird ein praxisbezogener Einblick gewährt, wobei Elemente, wie die Breakdance-Szene, etwas übertrieben wirken.

Fazit

Videos bieten für Unternehmen großes Potential und eigenen sich gut, um einen Einblick in den Alltag des Arbeitsumfeldes zu geben. Jedoch sollten diese Videos gut geplant sein und glaubwürdige Botschaften vermitteln. Gelingt es diese Gradwanderung zu bewältigen kann ein wichtiger Informationskanal geschaffen werden, der für potentielle Bewerber interessante Informationen transportiert.