Reinhold Messner – Geh los! Warte nicht, die Angst wird nur größer!

Reinhold Messner, der mit seiner Keynote das World Talent Forum 2014 eröffnete, ist unbestritten einer der Grenzgänger unserer Zeit. Doch einige der Teilnehmer auf dem World Talent Forum haben sich (nicht ganz unberechtigt) gefragt, was ein Abenteurer ihnen über die Problemstellungen im HR-Bereich erzählen kann? Eine Frage, die die Keynote des Abenteurers schnell beantwortete. Kein anderer hat Herausforderungen so angenommen wie er. Ebenso wie kein anderer die Grenzen des als möglich geltenden so verschoben und einen Paradigmenwechsel eingeleitet hat. Alles Eigenschaften, die man sich im HR-Bereich abschauen sollte.

Reinhold Messner

Neue Herausforderungen – Immer her damit

Eins zieht sich konsequent durch Reinhold Messners Leben: Die Suche nach neuen Herausforderungen. Doch selbst ein Reinhold Messner hat nicht mit den höchsten Bergen angefangen und er hat nicht mit ihnen aufgehört. Immer wieder wechselte der Grenzgänger seinen Schwerpunkt. Vom Schnellklettern kam er zum Höhenklettern. Als er die höchsten Berge der Welt bestiegen hatte widmete er sich den horizontalen Herausforderungen (bitte nicht falsch verstehen), wie Wüsten Durchquerungen. Sein neuestes Projekt sind seine Museen.

Der vor kurzem 70 Jahre alt gewordene Abenteurer, sucht immer neue Herausforderungen, da ihn Wiederholungen langweilen.

Manchmal sind Paradigmenwechsel notwendig

Mit am bekanntesten ist Messner dafür, dass er als erster Mensch alle Achttausender bestieg. Das Besteigen von Achttausender war früher sehr aufwendig und teuer. Es waren große Teams mit viel Gepäck notwendig, von denen schlussendlich nur zwei bis drei Personen den Gipfel erreichten.

Reinhold Messner entwickelte einen neuen Ansatz: Sein Team bestand lediglich aus zwei Personen mit nur 200 kg Gepäck. Nach einer Eingewöhnungsphase an die Sauerstoffarmut in der Höhe, erreichte sein Zwei-Mann-Team nach nur drei Tagen den Gipfel (davor dauerte eine solche Mission 30 Tage). Der neue Ansatz war also schneller, erfolgreicher und kostengünstiger. Das gab Messner die Möglichkeit mehr Know-How zu sammeln (als andere Bergsteiger), da er nun zwei bis drei Expeditionen pro Jahr machen konnte.

Bald kam eine bestimmte Frage auf: Ist dieser neue Stil auch am Mount Everest vorstellbar?

Messner befand „Ja, aber nur ohne Sauerstoff“ (da Sauerstoffflaschen sehr schwer sind). Die Wissenschaft wiederum sagte, dass das Vorhaben, Mount Everest ohne Sauerstoff, unmöglich wäre. Eine Einschätzung von der sich Reinhold Messner nicht abbringen lies und tatsächlich war schon sein zweiter Versuch von Erfolg gekrönt. Jedoch nicht ohne Schwierigkeiten. Kam die Expedition am Anfang noch schnell voran, wurde sie über die Zeit immer langsamer. Die letzten 100 Höhenmeter bis zum Gipfel waren geprägt von Hoffnungslosigkeit. Die Truppe schaffte nur noch 40 bis 50 Höhenmeter in der Stunde (normalerweise brauchten Messner und seine Kollegen nur 35 min für 1.000 Höhenmeter). Doch Schritt für Schritt kamen sie an. Eine Erfahrung, die sich in allen Lebensbereichen wieder findet: Die Luft wird immer dünner, je höher man steigt (deswegen kommen dort nur die Besten hin).

Reinhold Messner auf dem World Talent Forum

Motivation ist alles

Seine nächste Herausforderung machte Messner schnell aus: Er wollte ein zweites Mal den Mount Everest besteigen, aber diesmal alleine und über eine neue Route.

Sein erster Versuch scheiterte. Beim zweiten Anlauf fiel Reinhold Messner in eine Gletscherspalte, aus der es unmöglich schien herauszukommen. Dort unten nahm er sich fest vor: Sollte er jemals aus dieser Gletscherspalte herauskommen, dann drehe er um und gehe nach Hause. Tatsächlich fand er ein Tunnelsystem, das ihn wieder an die Oberfläche brachte und obwohl er sich fest vorgenommen hatte abzusteigen, trieb ihn etwas aufwärts. Er hatte sich zwei Jahre für diese Expedition vorbereitet und eine Motivation aufgebaut, die das Momentum der Angst übertraf. Schlussendlich gelang es ihm den Gipfel des Mount Everest alleine zu erreichen.

Als er zurück war, sagte er sich: Nie wieder! Drei Wochen später hatte er schon das nächste Projekt.

Mein persönliches Fazit aus dieser Geschichte ist: Rückschläge gibt es in jedem Bereich. Hat man jedoch die Motivation sie zu überwinden, kann man Großes erreichen.

Von Teams und der Notwendigkeit des Losgehens

Nach dem Besteigen der Achttausender widmete sich Reinhold Messner den horizontalen Herausforderungen, wie etwa der Durchquerung der Gobi Wüste, der Überquerung der Antarktis und der Arktis. Die Antarktis-Reise bezeichnet Messner selbst als eine seiner besten Reisen, da er bei ihr ein außergewöhnliches Team hatte. Jedes Teammitglied beherrschte sein Spezialgebiet perfekt und alle arbeiteten auf ein gemeinsames Ziel hin. Doch auch Scheitern ist Reinhold Messner nicht fremd: Wie z.B. am Nordpol wo sie eine Expedition nach nur zwei Tagen abbrechen mussten. Sie waren bei -52°C und Gegenwind losgegangen. Messner sagt heute über diese Episode: Sie hätten losgehen müssen, sonst wären sie verzweifelt. Selbst wenn manchmal alles gegen einen spricht, ist es besser loszugehen und zu scheitern und daraus zu lernen, als das Wagnis gar nicht einzugehen.

Seinen spannenden Vortrag beendete Reinhold Messner mit einem Appell an die Teilnehmer des World Talent Forums 2014, den wir hier gerne wiederholen: „Die Möglichkeiten, die Herausforderungen, die Ziele dürfen und werden Ihnen nie ausgehen.“