Sabbaticals – Karrierekiller oder Chance für Unternehmen?

Muss eine Auszeit vom Job (Sabbatical) auch gleichzeitig das Aus für die Karriere bedeuten? Viele denken das und träumen am Schreibtisch weiter von einer großen Weltreise. Doch in Deutschland ist ein Wandel zu erkennen: Die Unternehmen begreifen, dass eine Auszeit vom Job nichts mit Faulheit zu tun hat, sondern auch für sie klare Vorteile bringt. Deutschlands Manager machen es vor, wie es das Handelsblatt am Wochenende schrieb: „Deutschlands Manager schalten den Turbo aus. Sie wollen nach oben, aber nicht um jeden Preis“

Die Macht der High Potentials gegenüber Unternehmen

Unzählige Überstunden, der ständige Druck, noch bessere Zahlen vorzulegen und Projekte noch schneller und effizienter abzuschließen – Jemand der Karriere machen möchte, nimmt das in Kauf. Der Wunsch davon für eine gewisse Zeit Abstand zu nehmen und seinen Akku wieder aufzuladen, existiert bei den meisten dennoch. Lange Zeit wurden die mutigen „Auszeitnehmer“ jedoch als Karriereverweigerer gesehen und als Bremse für die Wirtschaft verurteilt. Der Trend geht, zumindest in Deutschland, weg von dieser veralteten Sichtweis: Wer Höchstleistung will, „muss auch Leerlauf akzeptieren“, so der Psychiater Götz Mundle. Möglich wird dieser Wandel durch den verschärften Fachkräftemangel – High Potentials sind hierzulande rar und haben im Arbeitsmarkt die Macht. Aufgrund gewandelter Erwartungen an den Job, müssen Unternehmen ihre Arbeitsmodelle weiterentwickeln. Wenn ein Unternehmen Sabbaticals ermöglicht, ist das ein klarer Wettbewerbsvorteil im War for Talents.

Für die Generation Y ist es nicht mehr das Wichtigste, den größten Bonus zu bekommen, sondern vielmehr eine Work-Life-Balance zu schaffen, um dem ständigen Druck der Höchstleistung nicht zu erliegen (Stichwort Burn-out). Und genau diese Gruppe kann es sich heute leisten eine Pause im Job einzulegen. Solange nicht die nächste Wirtschaftskrise einbricht, werden Sie nach der Auszeit wieder mit offenen Armen empfangen.

Die Vorteile liegen auf der Hand – auch für Arbeitgeber

Dem ständigen Druck nach Leistung ausgesetzt zu sein, führt auf lange Sicht zu genau dem Gegenteil. Wer auf Kosten der Arbeit seine Freizeit weitestgehend aufgibt, verliert sich in Betriebsblindheit und bringt keine innovativen Ideen mehr ein. Wir brauchen für eine wachsende Wirtschaft zwar Leute, die für den Erfolg kämpfen und den Job über das Privatleben stellen, doch gerade Ihnen sei auch mal eine Pause gegönnt.

Denn eine Pause im Job erweitert die persönlichen Kompetenzen, was durchaus auch die Arbeitsleistung beeinflusst. Kreativität und Innovationen entstehen nicht unter Druck, sondern erfordern Zeit – oder eben eine Auszeit. Wer nach zwei, drei oder auch sechs Monaten in seinen Job zurückkehrt, kann mit neuer Energie starten. „Ich war nie so fit wie nach diesen sechs Wochen Jakobsweg“, erzählt die DHL Managerin Susanne Schildknecht in einem Interview mit dem Handelsblatt. Viele erzählen nach ihrem Sabbatical, dass Sie als anderer Mensch zurückgekehrt sind. Durch lange Reisen in andere Kulturen bekommt man eine völlig neue Sicht auf das Leben und kann auch im Berufsleben wieder voll durchstarten. Darüber hinaus wird durch das Entgegenkommen des Arbeitgebers auch die Identifikation und Bindung zu dem Unternehmen erhöht, sowie motivations- und krankheitsbedingte Fehlzeiten verringert. Damit ein Sabbatical wirklich zum Erfolg führt, sollte der Arbeitgeber pro aktiv auf die Mitarbeiter zugehen, um Gründe und Ziele der Auszeit zu diskutieren.

Status quo für Sabbaticals in deutschen Unternehmen

Mehrere Arbeitgeber bieten bereits vielversprechende Modelle für eine Auszeit an. Die Deutsche Bank schafft mit dem „DB Zeitinvest“ die Möglichkeit, Urlaubstage und Überstunden in einem Fonds anzulegen und gesammelt in eine Auszeit zu investieren. Viele Unternehmen erstellen Lebensarbeitszeitenkonten, auf denen Überstunden gesammelt werden können. Bei der Bahn können so ein- bis zwölfmonatige Auszeiten genommen werden. Bei BMW können durch Verzicht auf Urlaubs- oder Weihnachtsgeld zusätzlich Urlaubstage „gekauft“ werden. Vorreiter in Sachen Sabbatjahr ist weiterhin der öffentliche Dienst. So können Beamte über mehrere Jahre auf einen Teil ihres Gehaltes verzichten, um im Anschluss ein ganzes Jahr eine bezahlte Auszeit zu nehmen.

Eine Alternative zur vergüteten Auszeit ist natürlich der unbezahlte Urlaub oder eine Pause zwischen zwei Jobs.

Sabbaticals von Managern vorgelebt

Wenn es Unternehmen wirklich ernst meinen, müssen Sabbaticals von Führungskräften akzeptiert und vorgelebt werden. Hier finden Sie drei Beispiele von Managern, die nach einer Auszeit wieder erfolgreich eingestiegen sind:

  • Susanne Schildknecht – DHL-Managerin
    • Sie ist in Ihrer Auszeit den Jakobsweg gewandert und nach dem Wiedereinstieg im Management aufgestiegen.
  • Carsten Alex – ehem. Prokurist eines der renommiertesten Mercedes-Benz-Autohäuser
    • Nach einer Weltreise kehrte er zurück in das Management und ist heute selbstständiger Unternehmensberater.
  • António Horta-Osório – Vorstandschef der größten britischen Filialbank Lloyds
    • Zunächst großes Aufsehen in den Medien und bei Kollegen. Seit seinem Wiedereinstieg legt die Bank nach der Krise erstmals wieder gute Zahlen vor.

Wenn es Führungskräfte richtig vorleben, sehe ich großes Potential, dass sich Auszeit-Modelle in den nächsten Jahren weiter etablieren und sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber von den Vorteilen des Sabbaticals profitieren können.

Dieser Beitrag wurde verfasst von Tim Wösthoff