The Recruiter Next Generation (RNG) – eine Spezifikation und ein Paradigmenwechsel

Es ist mittlerweile mehr als ein Jahr vergangen, seit ich mit dem HR Excellence Award für mein Schulungskonzept zum RNG ausgezeichnet wurde. Der Award war in meinen Augen ein Zeichen dafür, dass die deutsche HR Szene ebenfalls einen Handlungsbedarf sah. Das damalige Konzept war aber lediglich der Anfang. Im vergangenen Jahr hat sich mir sehr deutlich offenbart, dass wir in der Welt von Morgen nicht länger mit einem „Overall RNG“-Konzept auskommen werden. Der Arbeitsmarkt spitzt sich immer stärker zu und die Anforderungen an Recruiter werden dementsprechend auch komplexer. Es gehört nicht viel dazu, um hieraus ableiten zu können, dass es je nach Zielgruppe speziell ausgebildete Recruiter geben müsste –  was übrigens in einigen Organisationen heute bereits der Fall ist.

Die Entstehung des RNG

Gehen wir aber nochmals einen Schritt zurück. Der Recruiter 2.0 ist seit einigen Jahren im Umlauf und wir haben schon oft über seine Fähigkeiten und Kompetenzen diskutiert. Warum habe ich nach all den Diskussionen dem Kind vor gut zwei Jahren einen neuen Namen gegeben? Wollte ich alten Wein in neuen Schläuchen verkaufen?

RNG - Recruiter Next GenerationNein. Für mich war damals klar, dass wir nach all den Diskussionen nicht sonderlich weit gekommen waren. Der Arbeitsmarkt hat sich gedreht (und dreht sich weiter). Alles was wir dem damals entgegen stellen wollten, war ein Update des bisherigen – den Recruiter 2.0. Nachdem ich mich 2012 mit dem Aufbau eines Recruiting Centers beschäftigt hatte, wurde mir bewusst, dass wir ein komplett neues Konzept benötigen. Dieses sollte auch absichtlich anders benannt werden … und so war der RNG geboren.

Die Ausbildung des RNG

Im vergangenen Jahr habe ich weiter dazu gelernt und bin heute der Meinung, dass wir grundsätzlich eine Basis -RNG Schulung brauchen – ja, unbedingt. ABER: Die Ansprüche der Zielgruppen werden im Detail so unterschiedlich, dass sich die Wege der RNGs nach dem „Grundstudium“ trennen und von dort an sehr unterschiedlich verlaufen. Als Beispiel kann ich im Vergleich den Schülerrecruiter und den Professionalrecruiter anführen. Der Job des einen besteht darin, Schüler zu begeistern und zu rekrutieren. Der andere sucht u.a. nach erfahrenen

Recruiter Next Generation

Führungskräften und versucht diese oftmals nach einer Direktansprache für sein Unternehmen zu gewinnen. So unterschiedlich mutet dies zunächst gar nicht an. Betrachtet man daraufhin den Arbeitsalltag der beiden Recruiter Typen, so wird deutlich, dass grundverschiedene Anforderungen gestellt werden. Der Schülerrecruiter verbringt einen großen Anteil seiner Arbeitszeit auf Messen und Veranstaltungen. Der Professional Recruiter hingegen verbringt viel Zeit damit, Strings zu schreiben und Suchalgorithmen zu optimieren.

Auf dem Basis – RNG (in Fachkreisen auch Umberto genannt) müssen also unterschiedliche Module aufsetzen, die den unterschiedlichen Zielgruppenansprüchen gerecht werden. Wir entwickeln uns in Richtung eines Spezialistentums, wie wir es auch aus anderen Professionen kennen. Rechtsanwälte, Ärzte – Sie alle spezialisieren sich entsprechend Ihrer Zielgruppenansprüchen bzw. der Marktbedürfnisse. Dass diese Entwicklung nicht vor den Recruitern halt macht, wundert mich nicht – der Markt verlangt es.

Die aktuelle Situation

Nun kenne ich auch jene Personaler, die direkt erwidern, dass ihr Unternehmen doch schon seit Jahren Schülerrecruiter beschäftigt und man auch die anderen Recruiter Typen längst eingeführt hätte und diese ganze Spezialisierung. In einem Nebensatz wird oft nachgeschoben: „Ach ja, und grundsätzlich sind diese Recruiterjobs in unserem Unternehmen vortreffliche Einsteigerpositionen.“
Bedauerlicher Weise kann man Blogtexte nur schwerlich mit Soundeffects ausstatten. Daher möchte ich den geneigten Leser jetzt bitten, sich das Geräusch quietschender Reifen, wenn ein Sportwagen von ca. 300 km/h abrupt auf 0 km/h herunter bremst vorzustellen.
Einsteigerpositionen? Hier ist genau eine der großen Baustellen auf dem Weg zur Professionalisierung des Recruitings: das Ansehen der Recruiter im eigenen Haus. Der RNG als solches eignet sich nur schwerlich als Einsteigerposition. Betrachten wir nun noch die Spezialisierungen, kann ich mir nicht so recht vorstellen, wie man ganz ohne Erfahrung Spezialist sein kann. Zugegeben – bei einer entsprechenden Ausbildung an der Hochschule wäre das sicherlich möglich. Bislang ist mir allerdings eine solche Ausbildung noch nicht unter gekommen. Aus diesem Grund kann ich Unternehmen nur empfehlen, diese Positionen so attraktiv zu gestalten, dass sich eben nicht nur Einsteiger dafür interessieren.

D.h. Unternehmen benötigen meiner Meinung nach gute Schulungskonzepte für Einsteiger, Entwicklungswege und Perspektiven für erfahrene Recruiter. Ebenso einen Paradigmenwechsel: weg von der Sprungbrettposition, hin zu der attraktiven Entwicklungsmöglichkeit zum Recruitingspezialisten – eben auch für HR Manager.