Google goes Hollywood – Filmreife Unternehmenskultur

Dass Hollywood einem Praktikum in einem bestimmten Unternehmen einen ganzen Spielfilm widmet, ist gelinde gesagt: „Ungewöhnlich“. Doch gerade das ist Google jetzt mit dem Film „The Internship“ wiederfahren (wohlbemerkt: Ohne an der Produktion beteiligt zu sein). In so einem Fall, kommt natürlich die Frage auf: Warum haben sich die Filmemacher unter allen Unternehmen gerade Google herausgepickt?

Dass Google derzeit laut einer Studie des schwedischen Marken-Beratungsunternehmens Universum, die Liste der attraktivsten Arbeitgeber anführt, ist kein Geheimnis: Bereits seit 4 Jahren steht das kalifornische Unternehmen an der Spitze der Liste. Besagte Studie beruht auf einer Umfrage unter 85.000 europäischen Studierenden. Was also reizt Filmemacher und Studierende europaweit  an Google? Ganz klar: Es ist die  googleische Unternehmenskultur – Die entspannte und kreative Arbeitsatmosphäre.

Google ist ein Vorreiter in Sachen Unternehmenskultur

…und ist sich dessen auch voll bewusst. Dementsprechend wird das Image in diese Richtung gepflegt. So gibt es auf der unternehmenseigenen Homepage beispielsweise einen Punkt, der sich ausschließlich der Kultur des Unternehmens widmet.

Und was man dort erfährt, lässt einem klar werden, was Hollywood und Studierende magisch anzieht: So kann das Google Büro in Dublin mit einem eigenen Pub auffahren, in Zürich kann man Besprechungen in gut gepolsterten Eier-Räumen abhalten und in Cambridge gibt es gemütliche Elternzimmer. Aber Monte View schlägt sie alle, denn dort gibt es sogar eine betriebseigene Bowlingbahn. Doch die Mitarbeiter –„Verwöhnung“ geht weit über diese Highlights hinaus: Kostenlose Friseurbesuche, kostenlose Massagen, kostenloses Fitnessstudio, kostenlose Ärzte, kostenlose Kindergärten, kostenloses Essen …
Man könnte sagen, Google-Mitarbeiter haben das Rundum Sorglos Paket gewählt.

Natürlich entstehen erfolgreiche Unternehmenskultur nicht ausschließlich durch materielle  Anreize, doch eben jene fördern das, was entscheidend ist: Die Stimmung und das Miteinander im Unternehmen. Ein gemeinsames Werte- und Normensystem, an das sich alle halten, bildet die Grundlage für ein gutes Betriebsklima. Unternehmen wie Google, die kollektive inner- sowie außerbetriebliche Aktivitäten ihrer Arbeitnehmer fördern, schaffen durch diese gezielten Maßnahmen oft das optimale Mitarbeiter-Biotop.

Doch warum fährt Google diese kostenintensive Strategie?

Nach eigenen Angaben will Google sich die offene Kultur, wie sie typisch für Start-ups ist erhalten. Dieses Ziel ist verständlich, da gerade Start-ups eine sehr hohe Innovationskraft besitzen und besonders Internetdienstleister wie Google einem hohen Innovationsdruck ausgesetzt sind. Doch offensichtlich wird  durch die Strategie auch ein anderes Ziel verfolgt, nämlich das der Mitarbeitergewinnung und –bindung.

In der heutigen Zeit reicht es einfach nicht mehr aus einen großen Namen zu haben, um potenzielle Arbeitnehmer anzulocken und sie zu halten. Die verwöhnte und rare Generation Y verlangt mehr von ihren Arbeitgebern und anscheinend hat Google hier den richtigen Ton getroffen.

Den richtigen Ton? Hier gilt vor allem das Motto: Der Wohlfühlfaktor muss stimmen. Noch nie war es Arbeitnehmern so wichtig, sich in dem Betrieb, in dem sie arbeiten, wohl zu fühlen. Von diesem Wunsch profitieren, wie Studien inzwischen belegen, nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch das Unternehmen. Wenn Arbeitnehmer sich wohlfühlen, arbeiten sie besser, innovativer und motivierter. Work-Life-Balance und Flexibilität wird hierbei groß geschrieben. Dass Arbeits- und Privatleben oft zu einer allumfassenden Einheit verschmelzen, wird billigend in Kauf genommen.

Für Google und andere Unternehmen ist der große Vorteil  dieses Wohlfühlfaktors offensichtlich: In Zeiten des Fachkräftemangels sind sie die begehrten Arbeitgeber, die sich die Besten unter den Besten aussuchen können.

Viele Unternehmen werden sich jetzt denken: Lektion gelernt!

Wir werden es Google gleich tun und diese so erfolgreiche Unternehmenskultur einfach adaptieren. Doch die wahllose Produktion von Google-Klonen dürfte nicht die Patentlösung zum Finden einer Unternehmenskultur sein.

Unternehmen und die Menschen, die in ihnen arbeiten, sind sehr unterschiedlich. Dementsprechend haben sie daher auch verschiedene Wünsche und Vorstellungen. So sind zum Beispiel Google Mitarbeiter mit einem Durchschnittsalter von 35 Jahren vergleichsweise jung. Einem 25-jährigem macht es sicher noch Spaß auf einer Rutschbahn in die Kantine zu schlittern, doch wie sieht es bei einem 55-jährigen aus?

Zum Aufbau einer Unternehmenskultur heißt es also, sich zuallererst an die eigene Nase zu fassen und (am besten in der Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern) zu überlegen: Welche Bedürfnisse müssen erfüllt werden, um den optimalen Wohlfühlfaktor zu erreichen?

Eines steht fest: Wer das Thema Unternehmenskultur in den kommenden Jahren vernachlässigt, wird es schwer haben im War for Talents konkurrenzfähig zu bleiben.

 

Abgesehen von der Unternehmenskultur, gibt es noch viele andere Kniffe, welche unabdingbar für Unternehmen sind, wenn diese den herrschenden Fachkräftemangel meistern wollen. Lesen Sie daher auch, welche 5 Lösungsansätze im „War for Talents“ sinnvoll sind.

Dieser Beitrag wurde verfasst von Dr. Florian Habermann