Wer teilet, der findet: Google+, der vielfältige, soziale Informationsgarten

Viele Menschen fühlen sich von Monat zu Monat verlorener in der Online-Welt. Alle paar Wochen kommt (gefühlt) ein neues „großes Ding“  heraus, bei dem man irgendwie mit dabei sein sollte. Eins dieser scheinbar irgendwie wichtigen Online-Services ist Google+. Leider wurden seit dem Start von Google+ viele falsche Annahmen verbreitet, die zu hartnäckigen Vorurteilen gegen den Google-Dienst führten. Die meisten wissen noch nicht so recht, wozu sie Google+ eigentlich nutzen sollen – haben sich aber auch noch nicht die Mühe gemacht, sich einmal damit zu befassen. Dabei verschlafen diese Menschen ein regelrechtes Feuerwerk an Möglichkeiten, die sich durch die Verknüpfung vieler hochgeschätzter Webfunktionen in Google+ ergeben. Google+ lässt sich am ehesten mit einem riesengroßen Garten vergleichen, in dem viele tolle Dinge auf die Menschen warten, die sich auf eine ernsthafte Entdeckungstour begeben.

Nein, Google+ ist kein originäres Social Network

Heute möchte ich eine Lanze für Google+ brechen, weil es mich jeden Tag erneut fasziniert, und weil viele den Dienst einfach nur ablehnen, ohne sich damit auseinandergesetzt zu haben. Es hat nicht viel Zeit gebraucht, um mich für Google+ zu begeistern. Das kurze, anfängliche Zögern lag daran, dass ich selbst nicht recht wusste, was ich damit machen sollte, bis ich einfach angefangen habe, das zu machen, wofür Google+ gebaut wurde: Informationen zu teilen. Um also mit dem größten Vorurteil sofort aufzuräumen: Nein, Google+ ist kein Social Network wie Facebook. Google+ ist ein „Social Layer“, eine Weiterentwicklung der Google-Suche, in dem den Usern zusätzliche „soziale Funktionen“ zur Verfügung stehen, die die Entwicklung einer Online Community ermöglichen, aber nicht zum primären Ziel haben. Gerade durch diese Funktionen und die Darstellung und Gliederung der Informationen bietet es ein ungeahnt praktisches Mittel gerade für die Internet-User, denen die vielen unterschiedlichen Social Media-Dienste langsam zum Hals heraushängen.

Altbewährtes im neuen Gewand und unter einem Dach

Google+ vereint unzählige Features und kann so perfekt als integrierter Social Media-„Garten“ genutzt werden:

  • Profile, Freundeslisten, das Liken und Teilen von Medien mit Freunden sind typische Facebook-Features, die sich aber (wenn nicht sogar besser) durch Google+ abdecken lassen. Likes werden durch den +1-Button ersetzt, Posts lassen sich kommentieren, plussen und weiterteilen. Mit den Circles wird ein optimales und einfach bedienbares Werkzeug geschaffen, um Menschen in Gruppen zu separieren und unterschiedlich zu adressieren.  So kann ich mit meiner Familie private Inhalte teilen, mich gleichzeitig aber auch mit Business-Kontakten austauschen. Circles lassen sich sogar mit den Followern  auf Google+ teilen und man kann zudem ihre „Lautstärke“ bestimmten, also angeben, wie viele der Posts aus einem Circle im Stream erscheinen (keine / wenige / die meisten / alle). So kann ich zum Beispiel mehr Posts zu Business-Themen in meinem Stream anzeigen lassen als Posts zu meinem Hobby.

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  • Das Hinzufügen von Hashtags, den Zweck der schnellen und einfachen Nachrichtenverbreitung durch das Teilen von Posts und das Follower-Prinzip sind wichtige Funktionen von Twitter, die Google+ übernommen hat. Dadurch lassen sich Informationen leichter aggregieren, auffinden und verbreiten.
  • Ein Chat ist selbstverständlich auch in Google+ enthalten, genauso wie die Möglichkeit von Videotelefonaten mit anderen Usern, die in Google+ durch sogenannte Hangouts abgebildet werden und so bekannte Messaging-Funktionalitäten (wie z.B. von Skype oder ICQ) aufgreifen.
  • Für die, die nicht ohne Spiele leben können, bietet Google+ zahlreiche Games, deren Benachrichtigungen („Lisa XYZ hat gerade ein Schwein auf Farmville gekauft! Hilf ihr jetzt, es zu füttern!“) im Gegensatz zu Facebook nicht den Stream von Google+ verstopfen. Sie tauchen praktischerweise nicht im Stream auf und nerven so auch niemanden.
  • Die Kontoeinstellungen und die Einstellungen zum Datenschutz sind einfach zu finden (im Gegensatz zu Facebook, wo Einstellungen auf verschiedenen Unterseiten versteckt sind), selbsterklärend und kurz gehalten.

Zusätzlich zum Abbilden bereits bekannter Funktionen bietet Google+ weitere, hilfreiche Anwendungen:

  • Ripples befriedigen das Visualisierungsbedürfnis der Social Media-User: Sie zeigen grafisch aufbereitet, wie ein Post im Netzwerk geteilt und weiterverbreitet wurde und lassen sich so auch hervorragend als simples Monitoring-Tool verwenden.

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  • Wenn mich bestimmte Themen regelmäßig interessieren, kann ich diese als eine Suchanfrage in Google+ als sogenannte Sparks speichern. Meine Sparks (z.B. „Apple News“) sind dann dauerhaft links neben meinem Stream abgelegt, bei Klick darauf erhalte ich die neuesten Ergebnisse zu der Abfrage. Sparks sind also eine aktuelle Mischung aus Informationen der regulären Google-Suche und Beiträgen von Google+-Usern zu meinen Interessen.

Google+ vereint viele Funktionen unter einem Dach, für die man sonst mehrere unterschiedliche Kanäle nutzen muss. Natürlich bietet Google+ nicht alle Funktionen in dem Umfang an, wie sie von Facebook, Twitter oder Skype offeriert werden, aber sie sind meiner Meinung nach durchaus wettbewerbsfähig. Wichtiger noch als der von Google+ abgebildete Funktionsumfang ist aber der eigentliche Einsatzzweck.

Was will ich eigentlich hier machen – Picknick, Party oder Plausch?

Ich habe einige Zeit überlegt, bevor ich mich für eine Nutzungsart (privat / beruflich / beides) von Google+ entschieden habe. Ich nutze mittlerweile sowohl Facebook als auch Google+ zur Kommunikation mit meinen Freunden. Zahlreiche Business-Kontakte habe ich in eigene Circles einsortiert. Das Wichtigste an Google+ entdeckte ich erst vor ein paar Monaten: Google+ ist nicht nur dazu da, bestehende Kontakte zu pflegen, so wie man das in Facebook tut. Auf Facebook möchten die meisten privat bleiben, Freundschaftsanfragen von Fremden nimmt kaum jemand an. Aber auf Google+ kann ich sowohl privat bleiben als auch völlig neue Leute kennenlernen – und zwar durch die Nutzung von Google+ als „soziales Informationsteilungsnetzwerk“.

Ich kann den Stream anderer Leute einsehen und ihnen folgen, wenn sie für mich persönlich relevante Informationen posten, sei es zu meinen Hobbies, zu beruflichen Zwecken oder zu meinen privaten Interessen. Dabei kann sich diese Person völlig frei aussuchen, ob sie mich ebenfalls zu ihrem Stream hinzufügen möchte und damit auch meine Posts erhält. So schafft Google+ ein lebendiges All-in-one-Netzwerk, in dem ich bestehende Kontakte pflegen, zu abgespeicherten Themen laufend up-to-date-bleiben und neue Bekanntschaften knüpfen kann.

Wer stillschweigend in der Ecke sitzt, bleibt allein

Google+ ist demzufolge wirklich wie ein riesiger Garten: Ich kann mich unter den Baum setzen, wo meine Freunde sind, aber auch zwischendurch mal eine andere, offene Rasenfläche besuchen, um neue Leute kennenzulernen. Mit jedem kann ich über etwas anderes sprechen, aber ich muss dazu nie den Garten verlassen, denn er ist groß genug für alle. Am Ende des Tages habe ich dann sowohl eine tolle Zeit mit meinen Freunden gehabt als auch neue, interessante Personen kennengelernt, mit denen ich mehr oder weniger intensiv in Kontakt bleiben kann. Das Kennenlernen neuer Menschen geht aber nur, wenn ich auch selbst auf andere zugehe oder ihnen eine Weile zuhöre, ohne mich mit ihnen anfreunden zu müssen (Follower-Prinzip). Das ist übrigens ein weiterer, schöner Vorteil von Google+: Der durch Facebook so ausgelutschte und verpflichtende Begriff „Freund“ wird hier nicht verwendet.

Viele Google+-Kritiker behaupten, Google+ sei eine Geisterstadt, in der nichts los ist. Neulich habe ich einen tollen Tweet von Kerstin Hoffman (PR_Doktor) gefunden, den ich allen Google+-Kritikern entgegenstellen möchte:

Anders gesagt: Wer in den Google+-Garten geht, sich dann aber alleine und schweigend in eine Ecke setzt und darauf wartet, dass irgendjemand zu ihm kommt, wird auch einsam dort sitzen bleiben. Das Teilen von Informationen und der Austausch darüber mit anderen Menschen ist zentraler Kernpunkt eines jeden „sozialen“ Webdienstes – manche stellen dabei die Vernetzung  in den Vordergrund (Facebook), und manche den Informationsaustausch (Google+).

Wer sich Zeit dafür nimmt, mit Google+ warm zu werden, bestehende Kontakte und neue, interessante User zu finden (z.B. mich ;)) und selbst Informationen teilt und empfängt, wird schnell von der Vielfältigkeit dieses „sozialen Informationsteilungsnetzwerks“ begeistert sein.